Hochbegabt

Eine so offensichtliche Hochbegabung hab’ ich bisher nicht erlebt. Wovon ich spreche? Vor etwa einem Monat habe ich ja einen kurzen Eintrag über “Das Supertalent” gemacht – weil mein Favorit nicht Michael Hirte war, sondern jemand anderes. Über die Show will ich nicht reden, das war ein typisches RTL-Format…

Der aufmerksame Leser wird bei dem kurzen Eintrag bemerkt haben, in welche Kategorien ich eben diesen eingeordnet habe: Außer Film und Fernsehen ist der Beitrag auch in der Kategorie Hochbegabung.

Genau! Das ist mein Verdacht: Yoyo Buohler ist hochbegabt.

Obwohl das ein guter abschließender Satz für die Einleitung gewesen wäre, eins will ich noch sagen: Ich hasse die Wörter “Hochbegabung” und “hochbegabt”. Ich würde es lieber Andersbegabung nennen – denn sie besteht nicht nur aus Vorteilen, sondern aus mindestens genauso vielen Nachteilen. Zurück zu meinem Verdacht: (Achtung, sehr lang!)

Ich meine das nicht, weil sie, wie der Express schreibt, gute Noten hat. Das ist eines der vielen Märchen über Hochbegabung: Hochbegabte müssen gute Noten haben! (stellt euch an diesem Punkt einen lauten Schrei vor.) Nein müssen sie nicht! Yosefin hat sie aber, somit gilt sie als sogenannte “Überleisterin”. Yosefin hat ihre Begabungen anscheinend im musischen (sie singt und der Express schreibt auch, dass sie gerne malt) und im sprachlichen Bereich (fließend Deutsch, Englisch, Schwedisch + Spanisch).

Weitere “Indizien”: An den Liedern (und den Schulnoten) merkt man, dass Yosefin sehr perfektionistisch ist. In dem Clip “Yoyo Buohlers Weg ins Finale”, der sowohl in der Show gezeigt wurde als auch in Clipfish verfügbar ist, werden auch ihre Selbstzweifel herausgestellt. Die gehören fast immer mit dazu – ich weiß, die hat jeder mal, aber nicht ständig und überall; auch bei Dingen, die man eigentlich gut kann. Manche werden sagen: Lampenfieber – aber das ist eben eines der Symptome von Hochbegabung.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht das Gefühl hatte, dass sie beim Auftritt Selbstzweifel o.ä. hatte. Obwohl ich das auch nachvollziehen kann, denn diese Selbstzweifel hat man immer nur vor und nach dem Auftritt, währenddessen ist man in die Beschäftigung (hier Singen; bei mir Bariton spielen) vertieft und hat eigentlich gar keine Zeit, Selbstzweifel zu entwickeln. Ich kenne das vom Jugendblasorchester, wenn wir ein Konzert haben – ich habe dort zwar noch kein Solo gespielt, trotzdem hat man eben Zweifel vor dem Auftritt, ob man’s schafft. Wenn man dann da sitzt, das Stück anfängt und man selber die ersten 4 Töne gespielt hat – dann sind die Zweifel weg.

Im Allgemeinen ist auch das Selbstbewusstsein bei Hochbegabten im Vergleich zu anderen sehr niedrig. Auch bei Yosefin merkt man das, sie wimmelt manchmal das Lob der Jury ab (zwar sagt sie immer “Danke”, aber man merkt, dass es ein “Danke, aber das glaube ich nicht” sein soll). Vor allem als Bruce im Halbfinale aufgestanden ist, um “Du bist ein Star” ein paar Mal zu wiederholen, wollte sie durch die vielen “Danke” bezwecken, dass er damit aufhört – sowas ist unangenehm, weil es einem peinlich vorkommt, so überschwänglich vor anderen gelobt zu werden; denn man selber empfindet es als keine große gute Leistung.

Diese “Indizien” hab ich jetzt anhand vom Wikipedia-Eintrag zu Hochbegabung gesammelt und aus eigener Erfahrung. Aber Achtung: Das muss nicht alles übereinstimmen. Trotzdem bin ich mir hier relativ sicher – denn ich habe nicht wahllos die Kandidaten und deren Eigenheiten mit dem Wikipedia-Eintrag verglichen, der Verdacht ist mir selber gekommen.

Ein weiteres Indiz sind meiner Meinung nach die Augen bzw. der Gesichtsausdruck; der Blick, den sie beim Singen drauf hat, strahlt die Freude und Leidenschaft an der Musik aus. Genauso die Stimme an sich, ich habe keinen Schimmer, wie man das beschreiben kann; aber die Stimme verändert sich, sobald sie singt. Gut kann man das merken bei ihrem ersten Auftritt bei “Das Supertalent”. Stelle: 3:27 bis 3:29. In der 3. Minute und 28. Sekunde verändern sich Blick und Stimme für ein sehr hohes “you”. Das merkt auch diese… hier, äh, wie heißt sie… Silvie van der Vaart und lacht ein bisschen. Ich denke mal, Yosefin Buohler und andere hochbegabte SängerInnen versetzen sich beim Singen in den Songtext. Man fühlt sich nicht als Sänger, sondern als die Person, von der der Liedtext handelt – und genau so singt man das Lied dann auch.

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Natürlich bin ich kein Psychologe, ich kann nichts garantieren. Ich kann auch nicht singen, deshalb sind die letzten zwei Sätze fragwürdig. Natürlich kann es sein, dass sie nicht hochbegabt ist, aber aus meiner Sicht ist das sehr unwahrscheinlich.

Und: Das wird nicht der letzte Artikel bleiben, in dem ich so einen Verdacht äußere. Ich mache mir da vorher lange Gedanken, ob ich den Artikel veröffentlichen sollte, ob die betroffene Person wirklich hochbegabt sein könnte. Aber ich weiß schon, dass der nächste Blogbeitrag über Verdacht auf Hochbegabung von einer bekannten österreicherischen (richtiges Adjektiv?) Sängerin handeln wird ;-)

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