Klassengemeinschaft versus Einzelgänger / Busfahrer-Humor

Gesiegt hat der Einzelgänger – zumindest heute morgen.

Aber ich möchte von vorn anfangen. In der Nacht sind etwa weitere 5 cm Schnee gefallen. Beim Aufstehen hatte man schon die Hoffnung: Der Bus wird nicht kommen. In Anbetracht dessen, dass es auch immer weiter geschneit hat, war das auch recht plausibel. Man kennt ja unseren örtlichen Räumungsdienst: Die haben 3 bis 4 Schneeschieber; und die fahren auf wichtigen Bundesstraßen und wichtigen Buslinien! Da unser Bus ausschließlich ein Schulbus ist, haben wir eine Räumung nicht erwartet. Was noch besser war: Die Englisch-Arbeit würde ausfallen – die ist in der 1. Stunde. Yeppa, super!

Nunja, der erste Misserfolg war der Bus, der nach 14 Minuten warten kam. Für die, die’s nicht wissen: Schüler müssen 20 Minuten bei trockenem Wetter an der Bushaltestelle warten, bis ein Bus kommt; bei Regen- oder Schneefall sind es nur 15 Minuten. Wir waren kurz vorm gehen… WAAAH!

Okay, haben wir uns gedacht, steigen wir erstmal in den Bus ein. Die aktuelle Räumungslage: Es war gerade ein Schneeschieber ins Dorf reingefahren, das heißt, dass der ‘nen Teufel tun wird und unsere Strecke räumen wird, die irgendwann sogar in einen anderen Kreis übergeht. Der Schneeschieber wird entweder auf der Bundesstraße, die hier durchs Dorf geht, rumcruisen oder im Dorf hier und da mal ‘nen bisschen Schnee auf einen Haufen schieben.

Potenziell ist das für uns positiv, der Busfahrer war es für uns nicht. Nach unserer Haltestelle geht es im Dorf bergauf, der Bus fährt also eigentlich ‘nen kleinen Anstieg hoch, nur um oben umzudrehen und wieder runterzufahren. Zwei Haltestellen kamen noch nach uns – und an einer blieben wir erstmal stehen. Die Winterreifen Jahresreifen, pardon, Sommerreifen (!) sind im Schnee durchgedreht. (Wusste ja auch niemand, dass es so plötzlich Winter wird… hat niemand vorhergesagt!) Potenziell wieder positiv… nur unser Busfahrer war es nicht. Man könnte ihn als “Freak” bezeichnen…

Keine Panik! Wir kommen schon in die Schule!

Was im Endeffekt mit einem trockenen “Haha!” oder einem unterdrückt aggressiven “Nein, das schaffen wir nicht!” als Aufforderung für den Busfahrer quittiert wurde.

“Wann müsst ihr denn da sein? 8 Uhr?”
“Viertel vor!”
“Schaffen wir locker!”

Er bekam die gleiche Quittung zu hören.

Jetzt gleich könnt ihr sehen, wie wir hier mit Fuffzig um die Ecke driften!

Das wurde jedoch mit kleinen Lachern und den Ausrufen “Was ‘n Freak” beantwortet.

“Wollt ihr zu spät zur Schule kommen?”
“JA!”
“Aber nicht mit mir! Cheater!”

Toll… danke!

Wie erwartet war nicht geräumt – aber das erwartete Driften blieb aus. Schade. Während der Bus-Fahrt bekamen auch mehrere Leute im Bus Anrufe aufs Handy – der Bus aus XY ist nicht gekommen, der Bus aus AZ steckt in BC. Sah schon potenziell nach Schulausfall aus – das kam dann auch per Anruf; wenn unser Bus nicht mehr kommt, dann bekommt die gesamte Schule frei. Eigentlich hatten wir vor, dann zu schwänzen, so lange, bis schulfrei gegeben wird. Da war nur ein Problem.

Dieses Problem ist der Einzelgänger aus unserer Klasse. Er ist eigentlich in der Gemeinschaft drin, aber bei solchen Sachen zieht er einfach nicht mit. “Ihr könnt mich alle mal!” war seine Reaktion, nachdem jemand angefragt hatte. Per Handy bekamen wir weitere Anrufe, uns bloß von der Schule fernzuhalten. Die Englisch-Arbeit war zu diesem Zeitpunkt schon abgesagt worden. Verlegt auf morgen.

Kurz zurück zum Busfahrer: An einem kleinen Anstieg vor der Stadt waren wir wieder stehen geblieben. Vorne stand einer und kam nicht weiter. Als dieser dann nach 5 leider schnell vergangenen Minuten weg war, drehten mal wieder die Sommerreifen unseres Busses durch. Wieder waren alle am Jubeln, wieder schaffte es der Busfahrer.

Wenn 14 Tonnen rollen, dann rollen die!

Höhö, toller Humor. Vor uns hatten wir dann Stau – Autofahrer, LKWs, die sich nicht trauten, den nächsten Anstieg zu fahren. Wir wollten auch bis zur letztmöglichen Haltestelle durchfahren, um dann dort auszusteigen… Pustekuchen.

So Leute, ich bleib jetzt hier stehen! Ihr müsst hier raus! Und… naja, wie soll ich sagen… guten Rutsch, ne? Höhö!

Haha! Sehr produktiv, Herr Busfahrer! Wir haben alle gelacht! Um genau zu sein, konnte man nur ein Husten und ein weitergeführtes Gespräch hören.

Übrigens ist das der einzige deutsche Busfahrer in den Reihen der Angestellten des Bus-Unternehmens. Jedenfalls der einzige Deutsche, der uns fährt. Nicht, dass ich was gegen Ausländer hätte, jedoch würde mir das gebrochene, unverständliche, für Fahrgäste aus kratzigen Lautsprechern schallende Deutsch als Arbeitgeber nicht reichen. Der Deutsche ist Heavy-Metall Fan, von uns DJ Heavy genannt, und macht in Schulbussen dementsprechend auch seine Musik an. Haben wir nichts gegen, eigentlich mögen wir den.

Zurück zu unserm Problem. Nach langem Überreden gab er uns 5 Minuten, die er an der Haltestelle stehen bleiben wollte. Auch die restlichen Schüler aus unserem Bus blieben da stehen – gingen zwar nach und nach, aber wir wollten dann erzählen, dass wir gebracht wurden. (Haben wir im Endeffekt auch.) Nunja – nach 15 Minuten ist er gegangen. Wir mussten dann mit – wenn er alleine aus unserm Dorf in die Klasse kommt und sagt, dass er mit dem Bus gefahren ist… denkt’s euch.

Im Endeffekt verstehe ich nicht, warum er das gemacht hat. Er hat den Ärger der restlichen Klasse auf sich gezogen, wäre er nicht gegangen, wäre schulfrei gewesen. Was bringt ihm das? Wir mussten doch sowieso schon nachschreiben (es bleibt ja bei der gleichen Arbeit, da die anderen erst gar nicht angefangen haben) und die anderen Stunden waren sinnlos – denn die Busse, aus denen wir vorher Anrufe bekommen hatten, steckten immer noch da, wo sie auch schon eine Stunde vorher steckten. Toll.

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5 Antworten auf Klassengemeinschaft versus Einzelgänger / Busfahrer-Humor

  1. Hokey sagt:

    Nun ja, verstehen kann ich es schon, dass jemand keine Lust hat, sich einer Lüge zu unterwerfen, ich habe mich in solchen Situationen auch nie wohl gefühlt. Auch wenn ich Deinen Unverständnis durchaus nachvollziehen kann, finde ich es dennoch positiv, dass jemand den Mut hat, sich gegen das “Kollektiv” zu stellen. Es soll Situationen geben, wo man so etwas als Charakterstärke bewertet.

  2. Hugelgupf sagt:

    Mir war auch ein bisschen unwohl bei der Sache. Ich selbst verallgemeinere schon: Es ist schon die zweite Klassen-Aktion, die es gibt, und die zweite, gegen die er sich stellt.
    Die erste wäre gewesen, dass wir alle im Chemie-Test einfach nichts schreiben. Im Nachhinein muss ich sagen, dass uns das nichts gebracht hätte – denn den Lehrer hätte es nicht interessiert. Wozu verändern? 3 Jahre hat er noch, er ist verbeamtet. Er kann “Eier schaukeln”, die drei Jahre hält der noch durch.

    Natürlich ist das eine Art Charakterstärke. Für den Blogleser ist das immer ein bisschen einseitig, ich hätte noch viel schreiben können, um mein Unverständnis zu begründen. Diese Verweigerung von ihm kann nicht mit “Notenangst” oder sonstigem Ärger begründet werden. Die Arbeit war längst verschoben. Hätte niemand was gesagt, so hätte es niemand erfahren – und die restlichen Schüler hätten sich gefreut. Und die Lehrer – die hätte das auch nicht interessiert. Ob sie nun Unterricht mit der halben Klasse oder gar nicht machen – da sitzen die auch lieber zu Hause. In der nächsten Stunde muss das sowieso wiederholt werden.

    Ich brauche auch gute Gründe, um bei solchen Aktionen mitzumachen. Gegen Ende habe ich auch dafür gestimmt zu gehen: Er wollte sowieso irgendwann gehen, und ob wir direkt oder 5 Minuten später gehen, machte keinen Unterschied mehr.

  3. Herr Rau sagt:

    “Und die Lehrer – die hätte das auch nicht interessiert. Ob sie nun Unterricht mit der halben Klasse oder gar nicht machen – da sitzen die auch lieber zu Hause.”

    Mich hätte es jedenfalls interessiert, und ich wäre nicht lieber zu Hause gesessen. Auch nicht mit einer halben Klasse. Aber gut, trotz bBeschreibung kenne ich die Situation nicht gut genug. Prinzipiell halte ich es jedenfalls nicht für schlecht, wenn ein einzelner sich aus Gründen gegen die Klasse stellt. Kann natürlich auch nur Angeberei sein.

  4. Hugelgupf sagt:

    Naja, sie wirkten ziemlich gelangweilt, als sie mit uns da saßen – denn viel anfangen konnten wir ja nicht.

  5. Pingback: Klassengemeinschaft versus Einzelgänger II. - Hugelgupf

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