Das Thema der Deutscharbeit an Mittwoch war… ja, war… hm. Fraglich, was das Thema war – diesmal hieß es “Parabeln”, was wir erstaunlicherweise sogar schon vor der Arbeit wussten, äh, uns denken konnten.
Denn aus dem Unterricht unserer Deutschlehrerin geht meistens nicht hervor, was wir machen und worüber wir die nächste Arbeit wohl schreiben werden. Das heißt konkret: Wir lernen was, wissen aber nicht, was. Die gute Frau hat ihre eigene Herangehensweise an Themen, in etlichen Jahren Unterricht scheint sie ihre “eigene” Pädagogik entwickelt zu haben. Sie weiß fast immer, was los ist, wenn man sie belügt, wird man oft öffentlich an den Pranger gestellt. Sie macht zwar nicht den Eindruck, aber manchmal ist sie regelrecht launisch. Das erkennt man jedoch erst, wenn man näher drüber nachdenkt.
Wie? Das ist deine Hausaufgabe? Das ist faul! Faul! So gut wie nicht gemacht!
Widerspruch ist tödlich. Wer sagt, dass er sein Heft vergessen hat, aber in Wirklichkeit nur die Hausaufgabe nicht gemacht hat, wird ständig in die Stunde mit einbezogen – angeblich hat man sie ja gemacht. Lehrer werden jetzt sagen, dass das normal ist – ist es eigentlich auch, aber bei ihr ist das ziemlich extrem.
Im Unterricht muss jeder ruhig sein, ansonsten werden die Informationen dünner. Das heißt konkret: Wenn sie am reden ist und nebenbei Geflüster zu hören ist und sie das merkt, hört sie auf zu sprechen. Je nach dem – entweder sie redet weiter, wenn es vollkommen ruhig ist, oder sie bleibt still und sagt Dinge wie…
Naja, scheint euch ja nicht zu interessieren.
Auch wenn das nebensächlich und oberflächlich (wie unser Chemie-Lehrer sagen würde) ist, ihre Lieblingsfarbe ist lila. Parfum benutzt sie gar nicht mal so oft bzw. nicht so stark. Ihre Haare wären schwarz, sie hat sie sich auf einen blond-Ton gefärbt. Sie wird außerdem oft als “Paradiesvogel” bezeichnet. Sie hat inzwischen das 60. Lebensjahr erreicht.
Nun zum Unterricht: Der Deutsch-Unterricht ist ein ständiges Lernen. Neue Wörter, ständige weiterführende Informationen, … Nur leider weiß man oft nicht, welches Thema man gerade behandelt. Meistens sind es Texte, die wir behandeln; mit verschiedenen Hintergründen, manchmal weichen wir vom Buch ab, oft nutzen wir es gar nicht. Die Texte? Gedichte, Parabeln, Geschichten, Romane, alle denkbaren Arten von Literatur. Die Unterrichtsstunden bestehen meistens aus der Besprechung von Hausaufgaben, von ständigen, kleinen, sprachlichen “Exkursen” und anderen Dingen. Falls der aktuelle Tag ein besonderer historischer ist, wird am Anfang der Stunde gefragt, was denn heute ist. Zum Beispiel der 13. August (Mauerbau). Sie lässt schwierige, unbekannte, exotische, wichtige (Schlüssel-)Wörter/Begriffe/Phrasen anschreiben; samt deren Bedeutung bzw. Erklärung. Viele davon werden doppelt, dreifach, x-fach angeschrieben.
Beispiele aus dem letzten Jahr:
wilhelminische Mauern, monotone Gespräche, Monotonie, träge, innovativ, routiniert, Slogan, sterbenslangweilig, intellektuell, Appell, Konsumterror, Hieroglyphen, Hierarchie, Verriss, montieren, Montage, Schlüsselbegriff, diminuitiv, Surrealismus, …
Und viele viele viele mehr.
Beispiel: Im April 2008 haben wir über “Berlin Alexanderplatz” gesprochen, ein Ausschnitt gab es im Deutsch-Buch, mehrere kopierte sie uns. Später haben wir eine Arbeit darüber geschrieben.
Aufgaben waren zum Beispiel folgende:
- Vergleiche die Titelbilder von “Berlin Alexanderplatz” mit “Adenauerplatz” unter Einbeziehung des Textes.
- Vergleiche zwischen beiden Romanausschnitten welche Informationen bzw. Vermutungen wir über die Personen haben.
- (zu einem Textausschnitt) Wie fühlt sich der Erzähler?
- Warum konnte sich A. Döblin sich so gut in Nicht-Privilegierte hineinversetzen?
- Kritik: Verrohung der Ausdrucksform in “Berlin Alexanderplatz”
Zwischen diesen Aufgaben haben wir immer wieder andere Dinge behandelt. Zum Beispiel das Gedicht “Kleinstadtsonntag” (Wolf Biermann) oder “Augen in der Großstadt” (Kurt Tucholsky). Dazu wurde z.B. gefragt, warum Biermann das Gedicht so nennt, welches Verhältnis Tucholsky zur Großstadt hat oder warum die Augen so eine große Rolle spielen.
In der Arbeit wurde der Ausschnitt “Mit 41 in die Stadt” aus “Berlin Alexanderplatz” behandelt. Mit folgenden Fragen:
- Aus welcher Perspektive werden Stadt und Umwelt wahrgenommen?
- Mit welchen stilistischen Mitteln gestaltet und verstärkt Döblin die Aussageabsicht des Romanausschnitts? (Beispiele geben)
- Schreibe eine Zeitungskritik “im Auftrag” (im Sinne) Carl Zuckmayers!
Daraus ziehe ich, dass wir gelernt haben, eine Kritik zu schreiben. Wie diese auszusehen hat, wurde uns aber nicht erklärt, auch nicht in der Hausaufgabe davor. Welche stilistischen Mittel es denn so gibt, wussten wir auch nicht wirklich. Wir wissen, was ein innerer Monolog ist, eine rhetorische Frage, eine Alliteration, eine Metapher, eine Anapher, ein Idyll, Ironie, Sarkasmus, Zynismus, Unter- und Übertreibung, ein Wortspiel ist (herausgezogen aus dem Überfliegen der Liste rhetorischer Figuren, Wikipedia)… aber wo dies einzuordnen ist, wussten wir nicht. Perspektiven haben wir vielleicht zwei Monate davor mal aufgeschrieben (1. Person “Ich-Erzähler”, Allwissender, beschränkt Allwissender aus der 3. Person (weiß Gedanken usw. von einer Person)).